Babesiose/Hundemalaria
- Frankfurt/Main/dpa. Die Vogelgrippe bereitet
Katzenhaltern derzeit Sorgen. Viele Hundebesitzer wissen dagegen nicht, dass
ihre Vierbeiner im Frühling von einer Krankheit bedroht sind, die sich immer
weiter in Deutschland ausbreitet. Sie wird Babesiose oder auch «Hundemalaria»
genannt und endet schlimmstenfalls tödlich. Übertragen wird sie von einer
winzigen Zecke. Wurde die tückische Krankheit bei einem der Vierbeiner
erkannt, ist es unter Umständen schon zu spät. Deshalb ist Vorsorge wichtig.
Auwaldzecke heißt der Parasit, der vor allem im Frühjahr, aber auch im Herbst
aktiv ist. «Mit den ersten warmen Tagen geht es los», sagt Hans-Joachim Götz,
Präsident des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte in Frankfurt/Main. Bis
vor wenigen Jahren war die Auwaldzecke hier zu Lande noch nicht heimisch.
Gefahr drohte Hunden allenfalls, wenn sie ihre Halter im Sommerurlaub in den
Süden begleiteten - ans Mittelmeer zum Beispiel. War der Parasit zunächst
insbesondere im Saarland und am Oberrhein aktiv, eroberte er nach und nach
immer mehr Regionen. «Mittlerweile gibt es die Auwaldzecke mehr oder weniger
in ganz Deutschland», sagt Elke Deininger, Veterinärin bei der Akademie für
Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes in München. «Man führt das darauf
zurück, dass sie sich auf unser Klima eingestellt hat», erläutert Götz. Immer
häufiger werden Fälle bekannt, in denen Hunde verenden, weil sie von der
Auwaldzecke befallen wurden. «Wir hatten es schon, das die Krankheit zum
Ausbruch kam und der Tod nach 24 bis 48 Stunden eingetreten ist», sagt Götz.
Die Zecke überträgt laut Elke Deininger einzellige Parasiten, so genannte
Babesien, auf den Hund. Sie wandern in sein Blut und zerstören die roten
Blutkörperchen. Weil das bei der menschlichen Malaria ebenfalls passiert, wird
die Babesiose auch «Hundemalaria» genannt. «Dabei ist es eigentlich keine,
denn Malaria wird von Mücken übertragen», erläutert Prof. Eberhard Schein vom
Institut für Parasitologie an der FU Berlin. Besonders tückisch ist die
Babesiose deshalb, weil ihre Symptome nur schwer zu erkennen sind - zumindest
in der Phase, in der einem betroffenen Vierbeiner noch vergleichsweise einfach
geholfen werden kann. «Die Tiere sind zuerst matt und atmen schneller als
üblich, haben aber keinen Husten», erklärt Tierarzt Götz. Dann kommen Fieber
und häufig Erbrechen dazu. Ein weiteres Symptom sind blasse, leicht gelb
gefärbte Schleimhäute - als Folge der Zerstörung der roten Blutkörperchen.
«Schließlich ist im Urin eine Rötung zu erkennen - dann ist die Krankheit aber
schon weit fortgeschritten», sagt Götz. Jeder Tag, der abgewartet werden,
könne verhängnisvoll sein, ergänzt Schein. «Je schneller die Babesiose erkannt
wird, desto größer die Chance, dass das Tier geheilt wird.» Hat der Halter
einen Verdacht, sollte er zum Tierarzt gehen und ihn ausdrücklich auf die
Krankheit ansprechen. Denn noch nicht alle Veterinäre in Deutschland denken
sofort an die vergleichsweise neue Gefahr. Damit es gar nicht erst so weit
kommt, sollten Hundehalter vom Beginn des Frühlings bis Ende Oktober Vorsorge
treffen - mit Hilfe so genannter Spot-Ons. Diese flüssigen Präparate werden
auf das Hundefell geträufelt. «Man macht das am besten am Genick», erklärt
Deininger. Von dort aus verteilt sich das Mittel auf das gesamte Fell, wenn
sich der Vierbeiner bewegt. Die Spot-Ons werden von mehreren Herstellern
angeboten, die Halter bekommen sie beim Tierarzt. In der Regel bieten die
Präparate zweifachen Schutz: Erstens haben sie einen «Repellent»-Effekt. «Das
bedeutet, dass sich die Zecken gar nicht erst festsaugen», erläutert die
Veterinärin. Gelingt es dem Parasiten trotzdem, wird er abgetötet. «Alle vier
bis fünf Wochen muss man das wiederholen.» Angenehmer Nebeneffekt der
Vorsorgebehandlung: Die Spot-Ons schützen den Hund auch gegen andere
Plagegeister - gegen den Holzbock, Flöhe oder Stechmücken. Sorgen um ihre
eigene Gesundheit müssen sich die Halter wegen der Babesiose nicht machen.
«Der Verlauf ist ähnlich wie bei der menschlichen Malaria, doch Menschen
können sich damit nicht infizieren», sagt Elke Deininger. Und auch Halter von
Katzen können nach Worten von Prof. Eberhard Schein aufatmen: Zwar seien die
Tiere in südlichen Ländern nicht vor der Krankheit sicher. «Aber bei uns gab
es bisher keine Katzenbabesiose.» Quelle:Mitteldeutsche Zeitung