Nachdenkliches zum Thema Welpenkauf
Diese nachfolgende Geschichte von Jim Willis
macht uns traurig, aber auch nachdenklich. Ist es nur eine Geschichte? Oder
bittere Realität! Wir als Züchter übernehmen eine große Verantwortung. Wir haben
es oft erlebt, dass Besucher beim Anblick der niedlichen kleinen Welpen ins
Schwärmen geraten sind. Durch ausgiebige Gespräche, viele Hinweise und Fragen
unsererseits, konnten wir die passende neue Familie für unsere Welpen finden.
Die Voraussetzungen zum glücklichen Miteinander müssen gegeben sein, um unseren
Vierbeinern das geschilderte Schicksal zu ersparen. Diese Geschichte stammt von
dem Autor Jim Willis, der jedermann erlaubt, sie weiterzugeben. Die Quelle
dieser Geschichte finden Sie unter www.tiergnadenhof-deutschland.de.
Wie konntest du...?
Als ich noch ein Welpe war, unterhielt ich dich mit meinen Mätzchen und brachte
dich zum Lachen. Du nanntest mich "dein Kind" und trotz einer Anzahl von
gekauten Schuhen und einigen Sofakissen, die ich "ermordete", wurde ich dein
bester Freund. Wann immer ich "ungezogen" war, zeigtest du mir mahnend den
Zeigefinger und sagtest: "Wie konntest du...?" - aber dann hattest du dich
sofort erweichen lassen und rolltest mich zur Seite, um meinen Bauch zu
kraulen.Meine Aufenthalte in der Wohnung wurden während deines Studiums immer
länger, aber ich riss mich zusammen. Ich erinnere mich an jene Nächte, als ich
mich an dich im Bett ganz nahe anschmiegte und dir zuhörte, wie du im Schlaf
gesprochen hattest und ich glaubte, dass das Leben nicht vollkommener sein
könnte. Wir gingen in den Park, um dort lange spazieren zu gehen oder um
herumzutollen, wir fuhren mit dem Auto irgendwohin, kauften uns ein Eis (ich
erhielt nur den Rest der Waffel mit ein wenig Eis, weil, "zuviel Eiscreme ist
für Hunde nicht gesund", sagtest du), und ich hielt im Sonnenstrahl, der durch
die Balkontüre ins Wohnzimmer hinein schien, ein langes Schläfchen und wartete
so, bis du von der Arbeit nach Hause kamst.
Allmählich verbrachtest du mehr Zeit auf der Arbeit als zu Hause mit mir, um
"Karriere" zu machen. Auch verbrachtest du nun sehr viel Zeit damit, um einen
"menschlichen Partner" finden zu können. Ich wartete immer geduldig auf dich,
tröstete dich bei Liebeskummer und deinen Enttäuschungen und freute mich ebenso
mit dir, als du Erfolg bei einer Frau hattest. Sie ist jetzt deine Ehefrau, ist
kein "Hundeliebhaber", aber trotzdem begrüßte ich sie in unserem Heim,
respektierte sie und zeigte ihr, dass ich sie mag. Ich war glücklich, weil du
glücklich warst!
Dann kam die Zeit, in der Babys zur Welt kamen. Ich teilte die Aufregung mit
dir. Ich war von der glatten Haut und vom angenehmen Geruch des Babys so
fasziniert, so dass auch ich sie bemuttern wollte. Aber du und deine Frau
dachten nur daran, dass ich den Kindern schaden und sie verletzen könnte. Daher
musste ich die meiste Zeit nun verbannt in einem anderen Raum verbringen. Oh,
wie ich sie lieben wollte, aber es war mir vergönnt; denn ich war ein
"Gefangener der Liebe". Während sie anfingen zu wachsen, wurde ich ihr Freund.
Sie zogen an meinem Fell, griffen auf wackeligen Beinen nach mir, stießen ihre
Finger in meine Augen, forschten an meinen Ohren und gaben mir Küsse auf meine
Schnauze.
Ich liebte alles an ihnen; besonders ihre Berührungen, weil deine so selten
wurden. Ich war soweit, dass ich die Kinder notfalls mit meinem Leben
verteidigen würde. Ich war soweit, in ihre Betten zu schleichen, um ihren Sorgen
und geheimsten Träumen zuzuhören. Zusammen mit ihnen das Motorengeräusch deines
Autos zu erwarten, während du in die Einfahrt fuhrst.
Vor langer Zeit, als man dich fragte, ob du ein Haustier hättest, zogst du aus
deiner Brieftasche ein Foto von mir und erzähltest mit vollem Stolz über mich.
Die letzten Jahre antwortest du nur noch mit "Ja" und wechselst das Thema. Ich
war früher "dein Hund" und bis heute "nur ein Hund"!
Dann hattest du eine neue Karrieregelegenheit in einer anderen Stadt und du und
deine Familie zogen in eine Wohnung, in der Haustiere nicht erlaubt waren. Du
hattest für dich und deine Familie die richtige Entscheidung zu finden, obwohl
es einmaleine Zeit gab, in der "ich" deine Familie war.
Mann oh Mann, hatte die Autofahrt Spaß gemacht, bis ich bemerkte, wo wir
angekommen waren. Es roch nach Hunden und Katzen, nach Furcht und
Hoffnungslosigkeit. Du fülltest Papiere aus und sagtest, dass du wissen würdest,
dass man ein gutes Heim für mich finden würde. Die beiden Damen hinter der Theke
zuckten mit den Achseln und zeigten dir einen geschmerzten Blick. Sie verstanden
die Wirklichkeit, der ein Hund mittleren Alters gegenüberstand, ja sogar ein
Hund mit "Papieren". Du hattest die Finger deines Sohnes von meinem Halsband
lösen müssen, während er weinend schrie: "Nein Papa, bitte lass mir meinen Hund
nicht wegnehmen!" Ich wunderte mich in diesem Moment nur, wie du ihm gerade
Lektionen über Freundschaft und Loyalität, über Liebe und Verantwortlichkeit
beibringen konntest. Zum Abschied gabst du mir einen Klaps auf den Kopf,
vermiedest aber dabei, mir in die Augen zu schauen und lehntest höflich ab, mein
Halsband und meine Leine mitzunehmen. Du hattest einen Termin einzuhalten, nun
habe ich einen!!!! Kurz, nachdem du gegangen warst, sagten die zwei netten
Damen, dass du vermutlich Monate voraus vor dem Umzug wusstest und somit auch
eine Möglichkeit vorhanden gewesen sei musste, einen "guten Platz" für mich zu
finden. Sie schüttelten ihre Köpfe und fragten sich.... "Wie konntest du?"
Die beiden netten Damen widmeten mir und den anderen Hunden ihre ganze
Aufmerksamkeit, wann immer es die Zeit zuließ. Sie fütterten uns täglich und
ausreichend, aber ich verlor meinen Appetit bereits vor Tagen. Anfangs, wann
immer jemand an meinem Gehege vorbei ging, hetzte ich zur Frontseite und hoffte,
dass du es bist; dass du deine Meinung geändert hättest und dass alles nur ein
böser Traum war; oder ich hoffte, dass es zumindest jemand sein würde, der mich
mögen könnte, der mich retten würde.
Aber die Wahrheit war, dass ich es nicht mit den liebenswerten, kleinen und so
tollpatschigen Welpen aufnehmen konnte. Weltvergessen in meinem eigenen
Schicksal zog ich mich in einer weichen Ecke zurück und wartete ab.
Eines Tages, es war am Nachmittag, hörte ich Schritte. Man holte mich ab, ich
ging über einen langen Korridor, bis ich an dessen Ende einen Raum betrat. Es
war ein seliger, ruhiger Raum. Die Frau platzierte mich auf einen Tisch, kraulte
meine Ohren und erklärte mir, dass ich mich nicht zu sorgen hätte. Mein Herz
schlug in voller Erwartung auf das, was da kommen sollte.
Gleichzeitig hatte ich ein Gefühl der Entlastung. Mir, dem Gefangenen der Liebe,
gingen die Tage aus. Gemäß meiner Natur war ich mehr um die nette Frau besorgt,
als um mich selbst. Ich erkannte, dass sie eine Belastung trägt, die
tonnenschwer sein musste. Sie platzierte leicht einen Aderlass um mein
Vorderbein, während eine Träne ihre Wange hinunter kullerte. Ich leckte ihre
Hand in der gleichen Art und Weise, wie ich es bereits Jahre vorher tat, um dich
zu trösten. Sie schob sachverständig die hypodermatische Nadel in meine Vene.
Nachdem ich den Einstich und den Eintritt der kühlenden Flüssigkeit in meinem
Körper verspürte, lehnte ich mich schläfrig zurück; schaute dabei in ihre
freundlichen Augen und murmelte: "Wie konntest du?" Möglicherweise verstand sie
meine Hundesprache, denn sie sagte: "Es tut mir leid!" Sie umarmte mich hastig
und erklärte, dass es ihr Job sei, mir einen besseren Platz zu verschaffen, wo
ich nicht ignoriert, missbraucht oder verlassen werde würde. Einem Platz, an dem
ich mich nicht verstecken müsse, einen Platz der Liebe und des Lichts, der also
anders sei als auf Erden.
Mit meinem letzten Bissen von Energie wedelte ich mit meinem Schwanz und
versuchte ihr so zu sagen, dass mein "Wie konntest du?" nicht gegen sie
gerichtet war. Ich dachte an dich, mein geliebtes Herrchen. Ich werde immer an
dich denken und auf dich warten. Möge jeder dir in deinem Leben immer diese
Loyalität zeigen.
Einige Worte des Autors:
Wenn Ihnen "Wie konntest du?" Tränen in die Augen trieb, dann erging es Ihnen
genauso wie mir, als ich dies schrieb.
Jedermann ist es erlaubt, diese Geschichte weiterzugeben, solange es nicht einem
kommerziellen Zweck dient. Erklären Sie der Öffentlichkeit, dass die
Entscheidung, ein Haustier in eine neue Familie aufzunehmen, eine wichtige für
das Leben ist, dass Tiere unsere Liebe und unseren Respekt verdienen.
Jim Willis
Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass
Menschen nicht denken.
(Noka)
Artikel eingesandt von Angela Otto www.haarlekin-bulls.de